Seelengrund

Das Burn-out-Syndrom

Eine ganz besondere Diagnose . . .

Es gibt neuere diagnostische Begriffe, deren Akzeptanz bei Betroffenen verhältnismäßig hoch ist. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist das Burn-out-Syndrom: „Mit der Diagnose Burn-out waren allein 2010, hochgerechnet auf alle gesetzlich versicherten Beschäftigten, knapp 100.000 Menschen mit 1,8 Millionen Fehltagen krankgeschrieben.“ (Ärzte Zeitung, 2012, Artikel: Burn-out).

Da der Betroffene bei dieser psychischen Störung nicht an einer trivialen Depression leidet, sondern unter einer Art Krankheit der Hochleistungsträger, die nur besonders wichtige und tüchtige Menschen trifft, scheint hier die Hemmschwelle im Bezug auf die eigene und gesellschaftliche Akzeptanz nicht allzu hoch zu sein.

Das Burn-out-Syndrom ist fast immer sehr gut mit dem Über-Ich zu vereinbaren und bei so manchem Betroffenen erhält man den Eindruck, dass diese Diagnose nahezu eine Auszeichnung für besondere Leistungen zu sein scheint. So unterscheidet sich das Burn-out-Syndrom deutlich von anderen Diagnosen und könnte beinahe als neuer Trend gewertet werden, was sich auch an den ständig zunehmenden Angeboten im Wellness-Bereich unschwer erkennen lässt. In diesem Bereich findet man zahlreiche Anbieter, die neben diversen Burn-out-Entspannungskursen, Wellness-Burn-out-Reisen oder praktischer Weise gleich Anti-Burn-out-Kuren in Verbindung mit kosmetischen Behandlungen im Beautyhotel anbieten.

Das klingt zwar im ersten Moment vielleicht amüsant und lustig, aber für einen Betroffenen der unter einer psychischen Störung, wie beispielsweise einer Depression leidet, die sich oft hinter dieser Diagnose verbirgt, kann dies äußerst ungünstige Auswirkungen haben. Denn dadurch können psychische Störungen verschleppt werden, sich manifestieren und folglich auch verschlechtern.

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