Seelengrund

Das Bore-out-Syndrom

Wenn die Langeweile zur Qual wird . . .

Das Gegenteil zum Burn-out-Syndrom stellt das Bore-out-Syndrom dar, was jedoch eine weniger prestigeträchtige und beliebte Diagnose darstellt. Das Bore-out-Syndrom ist ebenfalls in der Symptomatik einer Depression begründet, wobei aber statt einer Überforderung eine Unterforderung des Individuums vorliegt.

„Ein Mitarbeiter ist unterfordert und überqualifiziert. Seine Kompetenzen übersteigen die Aufgaben. Die Qualität und die Quantität seiner Tätigkeit unterfordern ihn. Die Konsequenzen: Er langweilt sich, ist desinteressiert, schlägt die Zeit tot und versucht, den Achtstundentag mit Aufgaben zu erfüllen, die er in einem Bruchteil der Zeit bearbeiten könnte. So entsteht eine paradoxe Situation, die in der Literatur mit dem Begriff „Bore-out-Paradox“ beschrieben wird: Der unterforderte Mitarbeiter entwickelt Strategien, die seine Situation manifestieren oder verschlimmern.“ (Deutsches Ärzteblatt, 2012, Artikel: Praxisführung: Wenn alles zu wenig ist).

Diese Strategien können bewusst oder unbewusst entstehen, um möglichst beschäftigt oder gestresst zu wirken, um das geringe Arbeitspensum besonders langsam zu erledigen und auszudehnen oder auch zur schnellen Erledigung von Aufgaben, um sich dann in der restlichen Arbeitszeit mit privaten Dingen (telefonieren, surfen, mit Kollegen plaudern) beschäftigen zu können. Aufgrund von fehlenden intrinsischen Motivationen kann der Zustand der Langeweile und des Desinteresses zunehmend massiver werden, das gesamte Erlebnisfeld ungünstig beeinflussen und sich auch auf den privaten Bereich ausdehnen.

Eine solche Unterforderung kann sich aber, ebenso wie eine Überforderung, selbst- verständlich auch bei Menschen einstellen, die keiner geregelten Arbeit nachgehen, dies verdeutlichen beispielsweise Ferenczis Ausführungen bezüglich der Sonntags- und Ferialneurose, sowie die Ergebnisse der Marienthalstudie. Bei dieser Langzeitstudie handelt es sich um eine Untersuchung der Auswirkungen von Arbeitslosigkeit, wo bereits Anfang des letzten Jahrhunderts die psychischen und physischen Gefahren und Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit eingehend erforscht wurden: „Bereits seit der heute noch einflussreichen Marienthalstudie, die die Folgen des wirtschaftlichen Niedergangs des österreichischen Ortes Marienthal in den 1930er Jahren untersuchte, ist bekannt, dass schlechte Gesundheit die Aufnahme einer Arbeit erschwert und dass Arbeitslosigkeit mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergeht. Letzteres bestätigen aktuelle Ergebnisse aus Deutschland.“ (vgl. Deutsches Ärzteblatt, 2013, Artikel: Gesundheitliche Situation von langzeitarbeitslosen Menschen).  

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