Seelengrund

Der Humor

Erfreulicherweise ist der Humor eine recht verbreitete Abwehrmethode, der Sigmund Freud zufolge einer der reifsten Abwehrmechanismen darstellt, indem er eine wohltuende, heilsame Distanz zu unangenehmen, peinlichen oder bedrohlichen Tatsachen ermöglichen kann. Dabei muss jedoch betont werden, dass Freud eine strikte Trennung zwischen dem Witz, der sexuelle oder aggressive Triebtendenzen zu Vorschein bringt und dem Humor vornahm, der als positive Abwehrleistung eine erstrebenswerte Form der Lebensbewältigung ermöglichen kann. Insbesondere kann der Humor dazu dienen, eine narzisstische Kränkung abzuwenden. Eine narzisstische Kränkung beinhaltet Erkenntnisse, die zu einer äußerst ungünstigen, schädlichen Diskrepanz zwischen dem Idealbild, das eine Person von sich selbst hat und der tatsächlichen Realität führen. Solche unangenehmen Wahrheiten können jedoch nicht nur zu einer Kränkung einer einzelnen Person führen, sondern eine ganze Gesellschaft betreffen.  

Freud beschrieb das Wesen des Humors als eine Ersparnis von Affekten, zu denen eine Situation Anlass geben könnte. Durch einen Scherz kann sich das Individuum über die Möglichkeit solcher Affekte hinwegsetzen bzw. diese vermeiden. Was aufgrund der erfolgreichen Weigerung des Ichs, sich von bestimmten Gegebenheiten zu bestimmten Affekten nötigen zu lassen, einen Lustgewinn verschafft. „In seiner Schrift über den Humor schreibt Freud: > Der Humor setzt gegen die Realität das Lustprinzip durch, er ist nicht resignierend . . . .Das Großartige liegt im Triumph des Narzissmus, in der siegreich behaupteten Unverletzlichkeit des Ichs. Das Ich verweigert es, sich durch die Realität kränken und zum Leiden nötigen zu lassen <. Diese Abwehr des Leidens hat der Humor mit der Neurose, dem Rausch, dem Wahnsinn gemeinsam, im Unterschied zu diesen Abwehrformen verlässt der Humor jedoch nicht „den Boden der seelischen Gesundheit“, und er trotzt mit dieser adaptiven Abwehrleistung der Realität ohne Resignation.“ (vgl. Salzburger Arbeitskreis für Psychoanalyse, 2004, Artikel: Das „Umgekehrt Erhabene“. Über Humor in der Psychoanalyse).

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